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Die Fallzahlen bei Windpocken-Erkrankungen sind in Dortmund weiter gesunken. Trotzdem ist Vorsicht angebracht. Denn einige Eltern sind noch immer impfmüde. Das Gesundheitsamt ist um Aufklärung bemüht.

Von Katrin Fuhrmann In Dortmund ist die Zahl der Windpocken-Fälle im vergangenen Jahr gesunken. Insgesamt wurden in Westfalen-Lippe 2089 Infektionsfälle gemeldet. Im Jahr 2016 waren es laut AOK Nordwest noch 2657. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 21 Prozent. Für das Dortmunder Gesundheitsamt ist das eine erfreuliche Nachricht. Trotz sinkender Fallzahlen gibt es allerdings laut Gesundheitsamt noch einige Eltern, die impfmüde sind. Das hat mehrere Gründe.

„Bezogen auf den Sozialstatus finden wir geringere Impfraten in der Bevölkerungsgruppe mit höherem Bildungsstand. Wir nehmen an, dass der Anteil impfkritischer Eltern dabei höher ist“, sagt Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts. Gleichzeitig wissen einige Eltern nicht, welche Impfungen zum Beispiel aufgefrischt werden müssen, damit sie auch nach Jahren noch wirken.

Sorgen um Tetanus Während vor allem gegen Mumps, Röteln und Polio wieder häufiger geimpft wird, sinkt ausgerechnet die Rate für die Impfung gegen Tetanus weiter, beklagt der Leiter des Gesundheitsamtes. „Tetanus ist eine Infektion, die durch Sporen übertragen wird, die sich überall im Erdreich befinden, und die durch kleine Hautverletzungen beim Spielen im Freien übertragbar ist“, sagt Renken. Und ergänzt: „90 Prozent der Erkrankten sterben daran. Eine wirksame Therapie gibt es nicht.“ Er könne sich nicht erklären, warum die Impfrate bei Tetanus sinkt – trotz Aufklärung in Kindergärten und Schulen.

In Sachen Windpocken sieht es kaum anders aus – und das, obwohl sie zu den häufigsten Kinderkrankheiten gehört und äußerst ansteckend ist. „Die erste Windpocken-Impfung können einige Eltern noch nachweisen. Die zweite Impfung fehlt vielen Kindern leider schon“, sagt Renken. Laut Gesundheitsamt müssen Eltern zur Einschulung ihrer Kinder das Impfbuch mitbringen, was wiederum in 87 Prozent der Fälle passiert. Dennoch liegt die Impfrate bei Hepatitis B und Windpocken noch immer bei unter 90 Prozent. Bei Diphtherie und Keuchhusten sehe das ähnlich aus.

Impfberatung Das Gesundheitsamt versucht seit Jahren, Eltern für Impfungen zu sensibilisieren, was auch immer besser klappe. Dennoch gebe es noch Luft nach oben. Das Amt bietet individuelle Impfberatungen bei der Schuleingangsuntersuchung an. Zudem machen Hebammen und Krankenschwestern, die viel mit Eltern und Kleinkindern arbeiten, Familien auf das Thema aufmerksam. Damit in Sachen Impfung auch niemand auf der Strecke bleibt, bietet das Gesundheitsamt für Kinder und Jugendliche, die nicht krankenversichert sind, regelmäßig Schutzimpfungen an.

Die Praxen sind überlaufen, Kinderärzte kommen mit der Arbeit kaum nach.

Nein, freiwillig will da kein Kind und kein Jugendlicher hin. Statt beim Arzt zu sitzen, könnte man sich wunderbar mit Freunden treffen. Und selbst unliebsame Schulaufgaben tun nicht so weh wie eine drohende Spritze. Leider hält die Grippe alle weiter fest in ihrem Griff. Und so sind nicht nur die Praxen mit Ärzten für Erwachsene proppenvoll, sondern auch die, in denen sich Ärzte nur mit jungen Patienten beschäftigen. Das führt zu riesig langen Wartezeiten, weil täglich 100 kleine Patienten behandelt werden müssen und die meisten Ärzte keine neuen Erkrankten mehr annehmen können. Sie selbst arbeiten schon zehn Stunden täglich und noch länger. Und die Hälfte der Ärzte ist nicht mehr jung. 44 Kinderärzte praktizieren in Dortmund, fast die Hälfte von ihnen ist über 60 Jahre alt. Wenn sie eines Tages in Rente gehen, gibt es bisher nicht genügend Nachfolger für sie. Und wenn es neue junge Ärzte gibt, gehen sie in Krankenhäuser oder sie wollen dort keine Praxis übernehmen, wo es vom Umfeld her schwieriger ist als anderswo. Die Nordstadt mit ihren vielen sozialen Problemen gilt als schwieriges Umfeld, ebenso Scharnhorst und andere Stadtteile, in denen viele Menschen wohnen, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Oft sind aber gerade arme Menschen stärker von Krankheit betroffen als wohlhabendere. Auch, weil sie sich weniger zu helfen wissen als Menschen mit höherer Bildung. Die Lage in den Arztpraxen ist aktuell und noch auf absehbare Zeit also regelrecht verflixt. Wenigstens hört bald die Grippewelle auf, wenn es hoffentlich endlich dauerhaft Frühling wird und damit deutlich wärmer.

Ulrike Böhm-Heffels

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